Wildbiene

Wildbiene des Monats Monats April 2025: Gelbbeinige Kielsandbiene (Andrena chrysoscelesKIRBY, 1802)

Weibchen bei der Nahrungsaufnahme auf Gemeiner Schafgarbe (© Roland Günter / naturbildarchiv-guenter.de)

Bedingt durch ihre schmalen Binden sieht sie auf den ersten Blick wie eine Schmalbiene aus. Auch ihre geringe Körpergröße von maximal 10 Millimetern trägt zu diesem Eindruck bei. Allerdings verrät ihr breiter Kopf sowie ein auffälliges Haarbüschel am Bein, dass sie eine Sandbiene ist. Charakteristisch – und der Grund für ihren Namen „goldbeinig“ – ist die goldene bzw. orangene Färbung der unteren Beinabschnitte, die unter dem weißen Haarschmuck ins Auge sticht. Dieses Merkmal unterscheidet sie von ähnlichen Arten wie der Frühen Doldensandbiene (Andrena proxima).

Nachweiskarte und Gefährdung der Gelbbeinigen Kielsandbiene (© SMU)

Die Gelbbeinige Kielsandbiene ist überall in Deutschland verbreitet. Geeigneten Lebensraum findet sie in trockenen Wiesen, Fettwiesen, Streuobstwiesen, auf Hochwasserdämmen, in alten Weinbergbrachen, auf Feldfluren, an Ruderalstellen und an Waldrändern. Auch in Gärten und Parks unserer Städte, wo oft eine überraschende Vielfalt an Blüten vorhanden ist, fühlt sie sich wohl. Sie kann sich an verschiedene Umge-bungen anpassen, dort Nahrung finden, und ihre Nester bauen. Im April nimmt das Weibchen den Flug-betrieb auf.

Ihr Nest baut das Weibchen häufig an schütter bewachsenen Stellen, z. B. an Böschungen oder Feldrainen, wobei es keine besonderen Ansprüche an die Bodenart stellt. Bis in den Juni hinein ist die Biene in einer Generation aktiv. Dabei nutzt sie eine vielfältige Nahrungspalette: Sie besucht die Blüten von zehn Pflanzen-familien, darunter Doldenblütler wie Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) und Giersch (Aegopodium poda-graria) sowie Kreuzblütler wie Raps (Brassica napus) und Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis). Auch Rosengewächse wie Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata) werden gern besammelt. Als „Gegenspielerin“ ist die Rotschwarze Wespenbiene (Nomada fabriciana) bekannt, welche noch an zwei anderen Sandbienenarten parasitiert. Die Weibchen der Wespenbienen dringen in die Nester ihrer Wirts-bienen ein, um dort ihre Eier abzulegen. Zuvor zeigen sie ein charakteristisches Suchverhalten im Bereich der Wirtsnester und nehmen oft eine „Lauerstellung“ ein, bevor sie in das Nest eindringen. Die Wirtsbienen reagieren in der Regel nicht aggressiv auf die Anwesenheit der Wespenbienen. Je häufiger eine Wespen-bienenart an Nestern einer Wirtsart angetroffen wird, desto wahrscheinlicher ist die entsprechende Wirt-Parasit-Beziehung.

Rotschwarze Wespenbiene schlüpft ins Nest der Sandbiene (© Entomologie/Botanik, ETH Zürich / Fotograf: Albert Krebs)

In Deutschland gilt die Gelbbeinige Kielsandbiene als ungefährdet. In Berlin und Brandenburg wird sie jedoch auf der Vorwarnliste geführt. Um sie und andere Wildbienen im eigenen Garten zu fördern, lassen Sie sonnige, offene Bodenstellen mit sandiger Erde frei. Oder schaffen Sie kleine Böschungen mit spärlicher Vegetation. Pflanzen Sie heimische früh blühende Arten wie Wiesen-Kerbel, Schlehe, Sal-Weide oder Acker-Senf, damit im April und Mai ausreichend Pollen vorhanden ist. Verzichten Sie auf Pestizide, mähen Sie nicht zu oft, und lassen Sie Wildblumen stehen. Totholz und andere Naturstrukturen wie Lesesteine fördern zusätzlich weitere Wildbienenarten. Weitere Tipps, wie Sie bienenfreundliche Strukturen schaffen, erhalten Sie unter www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und www.deutschland-summt.de.

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Schnelle Fakten

 

Name

Gelbbeinige Kielsandbiene (Andrena chrysosceles KIRBY, 1802)

Flugzeiten

April–Juni

Lebensraum

trockene Fettwiesen / Streuobstwiesen / Hochwasserdämme / alte Weinbergbrachen / Feldfluren / Ruderalstellen / Waldränder / regelmäßig auch in Gärten und Parks

Nahrung

unspezialisiert (polylektisch)

Nistweise

nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde

Wirtsbienen

Rotschwarze Wespenbiene (Nomada fabriciana LINNAEUS, 1767)

Gefährdung

gilt in Deutschland als ungefährdet, in Berlin und Brandenburg auf der Vorwarnliste

Besonderheiten

goldene bzw. orangene Färbung der unteren Beinsegmente

Literatur

Amiet, Felix & Albert Krebs (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen; Kosmos Verlag, Stuttgart.

Scheuchl, Erwin & Willner, Wolfgang (2024): Wildbienen ganz nah – Die 100 häufigsten Arten schnell und sicher unterschieden; Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.

Westrich, Paul (2019): Die Wildbienen Deutschlands; 2.Aufl., 1.700 Farbfotos; Ulmer-Verlag; Stuttgart

Wiesbauer, H. (2017). Wilde Bienen - Biologie–Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas, 2. Auflage, Eugen Ulmer KG, Stuttgart.

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